#8 Sündiges Treiben in Wien
Shownotes
Badener Zeitspur – Geschichten, Menschen und Spuren aus Baden
Willkommen bei der Badener Zeitspur – dem Podcast über Geschichte, Geschichten und besondere Persönlichkeiten aus Baden bei Wien.
In unserem Podcast nehmen wir euch mit auf eine Zeitreise durch Baden und erzählen von Menschen, Orten und Ereignissen, die die Stadt geprägt haben.
In dieser Folge sprechen Gabriele Hasmann, Autorin und Kennerin außergewöhnlicher Geschichten, und Silvia Eitler, Videografin und kreative Chronistin, über historische Spuren, spannende Persönlichkeiten und Geschichten aus Baden bei Wien.
Dabei geht es nicht nur um die großen Ereignisse der Vergangenheit, sondern auch um jene kleinen Details, Erinnerungen und Geschichten, die Baden bis heute besonders und lebendig machen.
Zeitgeschichte, Stadtgeschichte und persönliche Geschichten – manchmal nostalgisch, manchmal kritisch, aber immer mit Liebe zu Baden.
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Gabriele Hasmann – Autorin
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Silvia Eitler – Videografin
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🎵 Musik
Musik: Artlist Shtriker Big Band – „Lemonade“
Titelbild/Folgecover: Wiener Museen – Online Sammlung © Wiener Museen, Online Sammlung
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00:00:04: Schön, dass ihr erneut unserer Zeitspur folgt.
00:00:08: In unserem letzten Podcast haben wir darüber gesprochen wie heiß es in der Kurstadt Baden einst zugegangen ist sowohl in der römischen Therme als auch im Mittelalter unter dem Wasserspiegel im Badezuber sowie ab dem 19. Jahrhundert beim Flanieren am Kurpark.
00:00:23: Heute schließen wir mit einer Spezialfolge über Wien an
00:00:27: Denn in der Hauptstadt Österreichs war die Entwicklung eine ähnliche Wien-Baden, wenngleich auch um das Zehnfache potenziert.
00:00:35: Schaut man sich die Geschichte der Donaumetropole an, könnte man meinen – die Stadt hätte über Jahrhunderte hinweg hauptsächlich aus Kirchen, Gast- und Caféhäusern sowie Menschen bestanden, die versucht haben miteinander ins Bett zu gehen!
00:00:48: Wobei es nicht selten vorkam, dass man nach Kaffee oder Gulasch Zeitung und Zigarre mit den Serviermädchen im Hinterzimmer des Lokals verschwand um dort ein paar Kalorien zu verbrennen.
00:00:58: Ein ewiger Kreislauf könnte man sagen.
00:01:00: Stimmt!
00:01:01: Und manchmal führte der Weg in die Kiste sogar durch die Kirche womit auch die Gotteshäuser Teil des sündigen Treibens wurden.
00:01:09: aber dazu werden wir ein wenig später noch ausführlicher berichten.
00:01:13: Kaum hatten sich die Legionäre in der Gegend niedergelassen und Vindobona gegründet, wurde nicht nur exerziert, gehandelt und gewirtschaftet.
00:01:21: Die Südländer brachten aus ihrer Heimat nämlich nicht nur die Bäder und Thermenkultur, den Wein und mediterrane Spezialitäten wie Olivenöl, Fischsaucen, Feigen, Datteln mit, sondern auch ihren Hang zu Ausschweifungen
00:01:34: Rund sechstausend Soldaten lebten zeitweise in Vindobona.
00:01:37: Sie durften nicht heiraten, lebten aber in der Zivilstadt mit ihren Konkubinen zusammen.
00:01:42: Darüber hinaus war aber noch für weitere Unterhaltung gesorgt.
00:01:46: Prostituierte Lupae genannt – Lupa ist übersetzte Wölfin – gehörten im römischen Reich zum alltäglichen Stadtbild.
00:01:53: Es handelte sich dabei vorwiegend um Wienerinnen die den Soldaten ihr hartes Legionsleben versüßen, aber nicht besonders angesehen waren.
00:02:01: Diese frühen Freudenmädchen trugen grüne Togen und rote Schuhe, um sich von den "ehrbaren Frauen" – die letzten beiden Worte sind unter Anführungszeichen gesetzt – zu unterscheiden.
00:02:12: Dunkelhaarige Wienerinnen bleichten sich außerdem die Haare!
00:02:15: Die römischen Soldaten wollten schließlich ein bisschen Abwechslung mit exotisch aussehenden Gespielinen, wenn sie schon im kalten Ausland festsaßen.
00:02:24: Und dunkelharige Frauen gab's in der Heimat schließlich genug….
00:02:27: Wenn dir das Glied schwillt und ´ne Magd, ein Sklave ist gleich zur Hand für Liebesdrang und -kampf
00:02:33: magst du dann lieber vor Verlangen bersten?
00:02:35: Ich nicht!
00:02:36: Ich lieb` Erotik, die mir leicht beschaffbar und die leicht genießbar ist,
00:02:41: Schrieb der römische Dichter Horaz im ersten Jahrhundert vor Christus und daran hielten sich ganz offensichtlich auch die Soldaten in Wien
00:02:49: Und natürlich existierten auch schon damals Bordelle in Wien, Lupanare genannt.
00:02:55: Ein Gebäude beim heutigen Michaelerplatz könnte eine Mischung aus Schankwirtschaft und Freudenhaus gewesen sein.
00:03:01: Also quasi dort, wo heute die Touristen in die Hofburg hineinmarschieren.
00:03:05: Bei den Ausgrabungen wurden dort römische Gebäudereste freigelegt.
00:03:09: Über einen Eingang soll sich der Schriftzug „Hic habitat felicitas“ befunden haben.
00:03:14: "Hier
00:03:14: wohnt das Glück"
00:03:16: Genau!
00:03:17: Das ist sympathischer als ein Türschild mit der Aufschrift Käufliche Liebe.
00:03:22: Entlohnt wurden die Lupae mit eigens geprägten Bordellmünzen, mit denen die Soldaten einen Teil ihres Solds ausbezahlt bekamen.
00:03:30: Die Geldstücke, die ausschließlich für weibliche Zuneigung ausgegeben werden sollten existierten in etwa fünfzig Varianten mit eindeutig erotischen Abbildungen.
00:03:39: So konnte man den Wienerinnen – die den Legionären zu Diensten waren – aber kein Latein sprachen klarmachen
00:03:46: Welche Stellung man von ihnen wünschte.
00:03:48: praktisch!
00:03:50: Ein weiteres römisches Puff dürfte sich übrigens in der Nähe des heutigen Hohen Markts in einem Badehaus befunden
00:03:55: haben.
00:03:56: Die Badeanlagen spielten im römischen Alltag eine wichtige Rolle.
00:04:00: Dort wurde nicht bloß Körperpflege betrieben.
00:04:03: Thermen waren gesellschaftliche Treffpunkte und sexuelle Kontakte gehörten in der Antike durchaus zum Umfeld solcher Einrichtungen.
00:04:10: Das kennen wir ja schon aus unserem erotischem Baden.
00:04:13: Da war die Römertherme im Kurbark Badzimmer Wellnesszentrum, Restaurant, Fitnessstudio Social Media ohne Internet und bei Bedarf Swinger Club.
00:04:22: Was genau in den Termen in Vindobona passiert ist, wissen wir natürlich nicht.
00:04:26: Sehr schade!
00:04:27: Die Römer hätten wirklich Tagebuch führen können?
00:04:30: Das haben manche glücklicherweise getan – zumindest wissen wir aus zahlreichen antiken Texten das Sexualität wesentlich unverkrampfter behandelt wurde als in späterer Zeit.
00:04:41: Als die Christen kamen hieß es also Schluss mit lustig.
00:04:45: Nicht sofort, aber mit dem zunehmenden Einfluss der Kirche änderte sich die Bewertung von Sexualität grundlegend.
00:04:51: Lust sollte einen Zweck haben – idealerweise innerhalb der Ehe stattfinden und der Fortpflanzung dienen!
00:04:58: Eine Verwaltungsangelegenheit mit kurzem Vergnügungsteil
00:05:02: Und selbst der war manchen Frömmlern schon suspekt.
00:05:05: Wir freulich dass die Menschen trotz erhobernem Zeigefinger der Kirche den Freuden der körperlichen Liebe zugetan geblieben sind etliche Verbote ignoriert und Hürden umrundet haben, um in den Genuss fleischlicher Lust
00:05:19: zu kommen.
00:05:20: Genau das ist eigentlich der rote Faden unserer Geschichte – wie sich auch im weiteren Verlauf dieser Folge zeigen wird!
00:05:26: Die Obrigkeit verbietet etwas, die Bevölkerung tut es trotzdem, die Obrigkeit verschärft die Regeln.
00:05:35: Im Mittelalter begegnen uns Prostituierte in Wien wieder ganz offiziell.
00:05:39: Im Gefolge fahrender Spielleute und Gaukler kamen auch Frauen in die Stadt, die neben anderen Tätigkeiten sexuelle Dienstleistungen anboten – und selbst Soldaten, die in die Schlacht zogen wurden von Frauen
00:05:50: begleitet.".
00:05:51: Den berühmten Trossweibern
00:05:53: Ja, sie erledigten alle möglichen Arbeiten und manche boten zusätzlich sexuelle Dienste an.
00:05:59: Ein Hurenweibel befähligte die Trossweiber, die tagsüber kochten, putzten und Wäsche wuschen – und Nachts für die Entspannung der geschundenen Leiber sorgten.
00:06:09: HurenWeibel klingt wie ein Beruf den man beim AMS heute nur noch schwer vermittelt bekommt.
00:06:14: Dafür wäre die Stellenbeschreibung beeindruckend vielseitig Organisations-Talent, Reisebereitschaft und Erfahrungen der Betreuung größerer Männergruppen erwünscht.
00:06:23: Gabi!
00:06:24: Ich lese nur zwischen den historischen Zeilen.
00:06:27: Ab dem 13. Jahrhundert sind Bordelle in Wien jedenfalls erneut eindeutig belegt.
00:06:32: Besonders interessant wird es.
00:06:34: 1278 Damals erließ Rudolf I. einen Freiheitsbrief für Prostituierte.
00:06:40: Die sogenannten „gelüstigen frowen“ standen damit unter einem gewissen Schutz und durften nicht einfach beleidigt oder misshandelt
00:06:49: werden.
00:06:49: Na ja, er wäre noch schöner!
00:06:51: Allerdings erließ Rudolf I dieses Gesetz nicht unbedingt weil er ein Feminist war sondern weil die Damen vom Gewerbe ordentlich Steuern zahlten und damit die Staatskassen füllten.
00:07:01: Das dürfte zumindest eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben.
00:07:05: Moral ist wichtig aber Steuerernahmen sind auch nicht
00:07:08: schlecht.
00:07:09: Die Frauen waren übrigens dem Schafrichter unterstellt, der für Ordnung sorgte.
00:07:13: An Sonnen- und Feiertagen hatten sie sich allerdings aus der Stadt zurückzuziehen – um die Beine stillzuhalten!
00:07:19: Im wahrsten Sinne des Wortes….
00:07:20: Silvia?
00:07:21: Aber momentan mal... Unter der Woche durfte man sündigen aber sonntagsfach heutag?
00:07:26: … war einfach gesagt.
00:07:28: Das ist die österreichischste Lösung überhaupt.
00:07:30: Die Prostitution ist erlaubt, aber bitte unter Einhaltung der
00:07:33: Öffnungszeiten.".
00:07:35: Im vierzehnten Jahrhundert florierte das Geschäft ordentlich.
00:07:38: Einen zusätzlichen Schuh brachte die Gründung der Wiener Universität.
00:07:43: Studenten?
00:07:44: Genau!
00:07:45: Rund um das Studentenfiertel stieg die Nachfrage ordentlich an, gegen Ende des Jahrhunders existierten bereits mehrere Frauenhäuser unter anderem im Bereich der Leimgobe beim heutigen Schillerplatz vor dem Widmator und am tiefen Graben.
00:07:59: Frauenhaus bedeutete damals allerdings etwas anderes als heute.
00:08:03: Richtig, es handelte sich um Bordelle!
00:08:05: Ein Frauenwirt konnte das Haus führen eine Frauenmeisterin beaufsichtigte die Prostituierten und solche Einrichtungen waren durchaus ein Geschäft für die Stadt.
00:08:15: Das Frauenhaus am tiefen Graben wurde im fünften Jahrhundert sogar von Wien erworben.
00:08:20: Die Stadt Wien betrieb einen Puff?
00:08:22: Sie besaß
00:08:23: eines Gut, das macht es natürlich viel seriöser.
00:08:26: Die Einnahmen waren jedenfalls willkommen, auch Sicherheitsorganekassierten bei Prostituierten bzw.
00:08:32: Portellbetreibern mit.
00:08:33: Das Eintreiben von Schutzgeldern gab es also schon damals.
00:08:37: Die Wachebeamten kassierten allerdings nicht nur um Sicherheit in den betreffenden Häusern zu garantieren sondern auch um ein Auge beim Einhalten der Sperrstunde zuzudrücken.
00:08:47: und die Kirche?
00:08:48: Die betrachtete Prostitution lange als notwendiges Übel.
00:08:52: Ne großzügig!
00:08:53: Dahinter steckt die Vorstellung, Männer hätten einen kaum kontrollierbaren Sexual-Trieb.
00:08:58: Prostituierte sollten gewissermaßen verhindern, dass sich dieser gegen ehemalige Frauen richterte.
00:09:04: Und praktischerweise waren hinterher trotzdem die Prostituierten des Sünderinnen, die von den Wienerinnen verteufelt wurden.
00:09:10: Wollten damals anständige Mädchen ihre Außerwählte von Venusdienerinnen fernhalten, griffen sie zu diversen Zaubertränken und anderen Mitteln die von Kräuterhexen teuer verkauft wurden – bis heute ein funktionierendes Geschäftsmodell.
00:09:25: Oder Sie griffent so angeblich bewährten Tricks welche die Treue des Partners garantieren sollten!
00:09:30: So backten sie beispielsweise einen Kuchen für ihren Liebsten und arbeiteten eigene Schamhaare in den Teig mit einem...
00:09:40: Allerdings konnte eine Prostituierte ihrem bisherigen Leben theoretisch auch entzagen.
00:09:45: Ende des vierzehnten Jahrhunderts entstand in Wien sogar eine Stiftung für Frauen, die ein sogenanntes Büsen das Leben beginnen wollten.
00:09:53: Daraus entwickelte sich das Kloster zum heiligen Hieronymus aus dem später das Franziskana-Kloster hervorgehen.
00:10:06: Mit dem Einfluss der käuflichen Damen auf die braven Ordensfrauen hat allerdings niemand gerechnet.
00:10:12: Als nur noch wenige Nonnen im Kloster wohnten, entschlossen sie sich zu einem lasterhaften Wandel, der in Wien damals Gesprächsdema Nummer eins war und der in der einen oder anderen Spende für das Gotteshaus gipfelte.
00:10:24: Und die Vorsteherin der Schwestern Juliane Kleeberger soll eine Affäre mit dem Hausgeistlichen gehabt
00:10:30: haben.
00:10:31: Warum überrascht mich das
00:10:32: nicht?
00:10:33: Man sperrt ehemalige Sünderinnen ins Kloster, damit sie tugendhaft werden und irgendwann sündigt das Kloster geschlossen weiter.
00:10:40: Das ist doch dramaturgisch perfekt?
00:10:42: Zumindest zeigt es dass menschliche Bedürfnisse durch Mauer nicht automatisch verschwinden
00:10:47: Nicht einmal durch sehr dicke und heilige.
00:10:49: Ein weiterer wichtiger Schauplatz für Lust und Laster waren die Badstuben.
00:10:53: Dort ging es ähnlich zu wie in anderen europäischen Städten, Männern und Frauen badeten teilweise gemeinsam Es wurde gegessen getrunken und gesellschaftlicher Umgang gepflegt
00:11:03: Und die Hände gingen unter Wasser auf Wanderschaft.
00:11:06: Das hatten wir in der Folge über das erotische Baden bereits ausführlich.
00:11:10: Ich wollte nur prüfen, ob Wien ebenfalls mitgemacht hat.
00:11:13: Wien hat mitgemacht.
00:11:15: Sehr beruhigend!
00:11:16: Hatte schon Sorge, die Badener waren besonders exzessiv was ihr Sexualleben betraf.
00:11:21: Keineswegs so ging es überall zu Ende des fünften Jahrhunderts kam allerdings ein ziemlich ungebetener Gast nach Europa, die Syphilis.
00:11:30: Und plötzlich war Schluss mit lustigen Planschen.
00:11:33: Zumindest gerieten die Badstuben stark unter Verdacht, die Erreger würden sich im Wasser verbreiten und die gesunden Leute infizieren.
00:11:40: Vor allem die Prostituierten und Bademägde wurden verantwortlich dafür gemacht, die Krankheit einzuschleppen.
00:11:45: Bad-Hur entwickelte sich zu einem besonders groben Schimpfwort.
00:11:50: Die sogenannte Lustseuche verbreiterte sich rasch!
00:11:53: und 1495 ließ Kaiser Maximilian I. vor dem Stubentor ein Spital für Erkrankte errichten.
00:12:01: Wie zuvor bei anderen solchen wurde die Krankheit moralisch gedeutet, als Strafe für ein ausschweifendes Leben.
00:12:07: Maximilian ordnete zuletzt auch die Schließung der Wiener Bordelle an und ging gegen das leichtfertige Beiwohnen vor – und das obwohl er selbst zahlreiche auseherliche Beziehungen und zumindest ein gutes Duzend unehrlicher Kinder hatte.
00:12:22: Ich liebe historische Doppelmoral!
00:12:24: Sie hatte noch so etwas herrlich Feudales:
00:12:27: Das Volk kriegt die Verbote, der Kaiser die Mätressen.
00:12:31: Im 16. Jahrhundert wurde es aber dann noch ungemütlicher seitens der Obrigkeit.
00:12:35: Auch Ferdinand I. verbot 1534 die Freudenhäuser, und ließ zusätzlich verdächtige Orte überwachen.
00:12:43: Kuppelei und Prostitution wurden zunehmend hart bestraft.
00:12:46: Wie hart?
00:12:47: Geldstrafen, Ausbeitschungen, öffentliche Schande, Verbannung... Und es konnte für die Betreffenden sogar noch schlimmer kommen!
00:13:00: Aus dem Jahr 1501 ist sogar eine Rechnung darüber erhalten, was es kostete, eine „unverbesserbare Frau“ in der Donau zu ertränken – nämlich vier Schilling und 54 Pfennige.
00:13:07: Das muss man sich mal vorstellen.
00:13:09: ein Mensch wird getötet und danach schreibt jemand eine Rechnung und heftet diese fein säuberlich
00:13:14: ab.
00:13:15: Die zunehmende Kriminalisierung änderte allerdings nichts daran dass es weiterhin Prostitution gab.
00:13:20: sie verschwand lediglich aus den offiziellen Häusern.
00:13:26: Verbote beseitigten die Nachfrage nicht, sie machten das Gewerbe nur unsichtbarer und für die Frauen gefährlicher.
00:13:32: Im 18. Jahrhundert hatte Wien dann wieder ein ausgesprochen lebhaftes Sexualleben.
00:13:38: Karl VI. ließ auch die Dirnen, die sich damals überall bereitmachten, kaum verfolgen und nahmen ihre Dienste selbst gerne in Anspruch.
00:13:46: Damals befanden sich die liederlichen Wirtshäuser vor allem auf den Wällen
00:13:50: und Basteien.
00:13:52: Die Tochter des freizügigen Kaisers, Maria Theresia bekam das ausschweifende Leben in der Stadt und am Wiener Hof schon als junges Mädchen mit.
00:14:00: Und entwickelte später eine ausgeprägte Abscheu gegen sexuelle Freizügigkeit.
00:14:05: Ah jetzt kommt sie!
00:14:06: Die Wächterin über Moral Sitte und Tugend schlechthin.
00:14:10: Die Frau die sechzehn Kinder bekam und trotzdem der Meinung war dass Sex etwas gefährliches ist.
00:14:15: Innerhalb der Ehe hatte sie damit bekanntlich weniger Probleme.
00:14:19: Naja, als streng gläubige Katholikin vertrat sie die Meinung, Geschlechtsverkehr sollte kein Vergnügen bereiten.
00:14:25: Sondern der Zeugung von Kindern dienen!
00:14:28: Und sie wollte halt offenbar viele Kinder und es klappte ja auch nicht immer sofort.
00:14:32: Da muss man öfter...und dann muss man öfter...
00:14:35: Na du weißt was ich meine?
00:14:37: Also fangen Sie Sex vielleicht doch gar nicht zu übel und ich dachte schon Ich müsste ihren Ehemann Franz Stephan bemitleiden.
00:14:44: Brauchst Du Nicht?
00:14:45: Denn wenn der Kaiser daheim einmal nicht bekam was er wollte weil seine Gattin mit Lockenwickler langen Unterhosen und verbisserner Miene im Bett lag und sich schlafend stellte, sobald er das eheliche Gemach betrat, schlich er sich über die Schneckentreppe aus der Hofburg.
00:15:00: Um was zu tun?
00:15:01: Er ließ sich zum Spittelberg kutschieren, damals die Hochburg der zwielichtigen Spelunkten und Prostitutionen.
00:15:07: Und vergnügte sich dort.
00:15:08: Sein Sohn Josef II.
00:15:09: tat es ihm später übrigens gleich.
00:15:12: Der wollte allerdings anders als sein großzügiger und spendabler Herr Papa nichts oder nur wenig für die käufliche Liebe bezahlen.
00:15:20: Vom postkoitalen Geiz des Herrschers zeugt eine Inschrift an der Hauseinfahrt Nr. 13
00:15:24: in der Gutenberggasse, heute das Restaurant Witwe Bolte, die da lautet: Durch dieses Thor im Bogen kam Kaiser Joseph II.
00:15:33: geflogen – 1778.
00:15:36: Und ausgerechnet er soll einmal so etwas wie" würde man über Wien ein Zelt spannen lege darunter das größte Bordell der Welt" gesagt haben?
00:15:45: Stimmt genau!
00:15:46: Maria Theresia wollte jedenfalls die öffentliche Moral grundlegend verbessern.
00:15:51: In den letzten Jahren wurde die Keuschheitskommission neu organisiert bzw erheblich verschärft.
00:15:57: Sie ging gegen Prostitution, Ehebruch und andere als unsittlich betrachtete Verhaltensweisen vor.
00:16:03: Frauen durften sich damals nicht einmal kurzärmelig zeigen oder zu späterer Stunde allein unterwegs sein – es wurde laufend die ganze Stadt kontrolliert.
00:16:11: Und dafür hatte sie Spitzel!
00:16:13: Jede Menge.
00:16:14: Angeblich waren zeitweise rund fünfhundert Personen damit beschäftigt, das Liebesleben der Wiener zu überwachen.
00:16:21: Wie muss ich mir das vorstellen?
00:16:22: Sitzt einer hinter einem Blumentopf und notiert – „22 Uhr 14.
00:16:25:
00:16:26: Frau Huber betritt Wohnung von Herrn Meier ohne
00:16:29: Rosenkranz.".
00:16:31: So detaillierte Protokolle gab es tatsächlich.
00:16:33: Die Kontrolleure beobachteten Häuser, Gassen.
00:16:36: unverdächtige Personen gingen Anzeigen nach und versuchten unerlaubte sexuelle Kontakte aufzudecken.
00:16:42: Ich hätte gerne gewusst, wie man sich bei der Keuschheits-Kommission beworben
00:16:46: hat.
00:16:47: Besondere Freude an den Angelegenheiten anderer Leute.
00:16:50: Diskretion nicht erforderlich!
00:16:52: Verdächtige Frauen konnten festgenommen werden, Prostituierte wurden öffentlich bestraft, ausgepeitscht, kahlgeschoren oder mit geteerten Köpfen zur Shau gestellt.
00:17:01: Und die Freier?
00:17:02: Die gesellschaftlichen Konsequenzen trafen Frauen wesentlich härter.
00:17:05: Welche
00:17:06: Überraschung
00:17:07: Besonders drastisch waren die sogenannten Temesvarer Wasserschübe.
00:17:11: Menschen, die man aus Wien entfernen wollte, darunter Prostituierte und andere als asozial eingestufte Personen wurden auf Schiffen donauabwärts in den Banat deportiert.
00:17:21: Zur Erklärung das Banat ist eine historische Landschaft in Südosteuropa.
00:17:26: heute ist die Region zwischen den Ländern Rumänien, Serbien und Ungarn aufgeteilt.
00:17:30: Also Maria Theresias Lösung für unerwünschte Wiener und Wienerin: ab auf die Donau.
00:17:35: Nun hatten die Wiener Prostituierten allerdings nicht vor, wegen Maria Theresia ihren Beruf aufzugeben.
00:17:41: Sehr unkooperativ!
00:17:43: Sie passten sich an – weil offen erkennbare Prostitierte stets in der Angst lebten verhaftet zu werden, tarnten sich manche als Rosenkranzverkäuferinnen, Putzmacherinnen, Servierdamen oder Dienstmädchen.
00:17:55: Das stell ich mir problematisch vor.
00:17:57: War es auch. Denn
00:17:58: die Kunden mussten ja irgendwie checken welche Dame tatsächlich für Liebesdienste zur Verfügung stand?
00:18:04: Und irgendein armer Mann hat garantiert die falscher Rosenkranzverkäuferin angesprochen.
00:18:08: Davon kann man ausgehen!
00:18:10: Gnädige Frau, wie viel für eine Stunde?
00:18:12: „Drei Vaterunser, du Schwein!“
00:18:14: Ohrfeigen aufgrund solcher Missverständnisse dürften keine Ausnahme gewesen sein.
00:18:18: Verständlich besonders clever war die Tarnung als gläubige Katholikin mit Bibel in der Hand oder als Witwe.
00:18:25: Im beiden Fällen gingen die Spitzeln nicht davon aus das Prostituierte so dreist sein würden In die Rolle einer braven Christin oder einer trauernden Hinterbliebenen zu schlüpfen.
00:18:33: Wunderbar!
00:18:34: Maria Theresia wollte Ordnung schaffen und hat stattdessen das Wiener Rollenspiel erfunden.
00:18:39: Originelles Detail.
00:18:40: Es gab ja auch, sagen wir mal weniger attraktive Damen in dem Gewerbe, dazu später mehr, weshalb man sich einen Trick überlegte.
00:18:49: die hübscheste aus einem Team stellte sich vorne an eine Gasse und lockte die Freier an.
00:18:54: wenn sie anbissen schickte man sie einmal um die Ecke wo dann die von der Natur ein wenig ..benachteiligte Kollegin wartete.
00:19:03: Die Männer waren natürlich unangenehm überrascht, aber die meisten dachten sich wohl, wenn ich schon mal da bin.
00:19:09: Aber weil sich wegen der Keuschheitskommission bald niemand mehr traut, dass sich so wie früher in einer Toreinfahrt, im Gebüsch eine Grünanlage oder einer finsteren Ecke einer Seitengasse zu vergnügen, gab es bald auch fahrende Lösungen.
00:19:23: Die waren allerdings mit einem finanziellen Aufwand verbunden weshalb dieses spezielle Service nur wohlhabende Freier in Anspruch nehmen konnten.
00:19:31: Es handelte sich dabei um die sogenannten Porzellanfuhren.
00:19:35: Kutschen fuhren nachts besonders langsam durch die Stadt, während sich im Inneren eine Prostituierte mit ihrem Kunden vergnügte.
00:19:42: Der Fiaker sollte möglichst vorsichtig fahren – ebenso als transportiere er zerbrechliches Porzellan!
00:19:49: Ich liebe dieses Wien.
00:19:50: Vorne sitzt der Fiaker und denkt: bloß kein Schlagloch, sonst gibt es hinten Scherben.
00:19:56: Besser gesagt Schmerzen...
00:19:58: All jene, die Sex im Freien nichts abgewinnen konnten oder leicht froh waren, nutzten Theaterloschen, Kirchenbänke oder Treppenhäuser für diskrete Begegnungen.
00:20:07: Rund um den Graben entstanden sogar Scheingeschäfte in deren Hinterzimmern sexuelle Dienstleistungen angeboten wurden.
00:20:14: Aber das man wirklich in der Kirche?
00:20:16: Oh ja, das waren damals regelrechtige Kontaktbösen.
00:20:20: Dort konnten Interessierte sich mit Blicken oder Handzeichen verständigen und anschließend gemeinsam verschwinden.
00:20:26: Es musste natürlich schnell gehen weil man sonst gerade an einem Ort der Andacht Aufsehen errichtete.
00:20:31: Außerdem wurde häufig auch durchgetauscht.
00:20:34: Der Mann ging mit einer Dirne hinaus bald darauf gingen beide wieder herein und das Spiel ging von vorne los nur mit anderen Partner
00:20:42: Speed-Dating mit Weihrauch
00:20:44: Und ich könnte mir vorstellen, dass man auch in der Kirche vorsichtig sein
00:20:47: musste
00:20:48: um Handzeichen nicht falsch zu verstehen.
00:20:50: Das wäre gerade im Angesicht Gottes besonders peinlich gewesen.
00:20:54: Übrigens versuchte man noch unter der Herrschaft Maria Theresias Prostituierte zu einem tugenthaften Leben zurückzuführen.
00:21:01: In der Grünangergasse gab es ein Büßerinnenhaus für Frauen, die das Gewerbe freiwillig aufgeben wollten.
00:21:08: Dort wurden sie mit Handarbeiten beschäftigt.
00:21:11: Wie lange musste man büßen?
00:21:13: Das wurde offenbar gelegentlich nach der geleisteten Arbeit bemessen.
00:21:17: Auf die Frage nach der Dauer konnte die Antwort beispielsweise lauten zwei Paar Strümpfe.
00:21:22: Großartig, wie lange sitzt du?
00:21:24: Noch eine Ferse und zwei Bündchen!
00:21:26: Allerdings musste die Einrichtung schon nach wenigen Jahren schließen.
00:21:30: Lass mich raten, überfüllt
00:21:31: im Gegenteil – es fehlte an reumütigen Frauen.
00:21:35: Man stelle sich vor, die strenge Monarchin Maria Theresia baut eine Besserungsanstalt mit der Ambition in der Stadt wieder mehr Tugendhaftigkeit einkehren zu lassen und die Wienerinnen sagen – na danke, passt schon.
00:21:48: Und die Männer hat es gefreut!
00:21:50: Auch ein prominenter Besucher Wiens war froh darüber dass es in Wien genug Frauen gab, die es mit dem Moral nicht so genau nahmen.
00:21:57: Er geriet aufgrund seines unsittlichen Treibens mehr als nur einmal mit Maria Theresias aneinander.
00:22:05: Bis sie ihn wegen Wildpinkelns aus der Stadt warf.
00:22:08: Natürlich war der Grund vorgeschoben, sie war sauer weil er sich nicht nur allein auf dem Spittelberg vergnügte sondern auch den Kaiser dazu überredete wobei ich glaube sehr viel Überredungskunst war da gar nicht notwendig.
00:22:20: Sie fand außerdem gar nichts prikelnd dass der Frauenflüsterer in ihrem Wien Werbung für Kondome machte.
00:22:27: Casanova kannte das Verhütungsmittel, dass damals nicht nur vor Schwangerschaften, sondern vor der Syphilis schützte, aus dem restlichen Europa, das er bereist hatte.
00:22:36: und er wunderte sich, dass die Wiener so rückständig waren und damit noch keine Bekanntschaft gemacht hatten.
00:22:41: Kondome wurden damals beispielsweise aus Tierdärmen hergestellt, waren teuer und deshalb wiederverwendbar.
00:22:47: Wiederverwendbar?
00:22:48: Ja!
00:22:49: Auswaschen, trocknen, wieder benutzen...
00:22:52: Casanova verwendete solche Präservative und empfahl sie auf einer regelrechten Werbetour durch die Apotheken der Stadt auch anderen Männern.
00:22:59: Maria Theresia sah in Verhütungsmitteln allerdings eher eine Förderung der Unzucht als einen Schutz vor Krankheiten und unerwünschten Schwangerschaften.
00:23:08: Casanova musste Wien jedenfalls verlassen, Die Kondome blieben.
00:23:12: Aber auch nach Maria Theresias Moral-Regiment wurde es nicht viel besser.
00:23:17: Unter ihrem Sohn Josef II.
00:23:19: wurde die Prostitutionspolitik keineswegs plötzlich liberal, Auch er ließ Frauen verhaften, in Arbeits- oder Besserungsanstalten bringen und öffentlich bestrafen.
00:23:29: Eine seiner Strafmaßnahmen bestand darin Prostituierten die Haare abzuschneiden um sie zum Straßenkehren einzusetzen
00:23:36: was bestimmt abschreckend gewirkt hat
00:23:38: Nicht ganz wie geplant.
00:23:40: Die vermeintlichen Büsserinnen flirteten während der Arbeit mit vorbeikommenden Männern, die glatzköpfige Frauen exotisch fanden und gewannen neue Kunden.
00:23:48: Natürlich!
00:23:49: Und wenn ein ehemaliger Freier vorbei kam bildeten sie mit ihren Besen angeblich einen Spaliere.
00:23:55: Nein!
00:23:56: Besonders peinlich, wenn der Herr gerade mit seiner Ehefrau oder Verlobten unterwegs war.
00:24:00: Stell dir das vor... Schatz warum grüßen dich die Straßenkehrerinnen alle?
00:24:05: Keine Ahnung, Liebling.
00:24:07: Wahrscheinlich kennen Sie mich aus der Kirche!
00:24:10: Gegen Ende des achzehnten Jahrhunderts gehörten Spittelberg-, Prater- und andere Vorstadtbereiche zu den wichtigsten Schauplätzen des käuflichen Sex.
00:24:18: Die Prostituierten bekamen dort von ihren Freiern auch eigene Spitz- oder Spottnamen verpasst die sich beispielsweise auf Aussehen bzw.
00:24:26: Eigenheiten, Einsatzgebiete oder Angewohnheiten bezogen.
00:24:30: Jetzt bin ich gespannt.
00:24:31: Bitte um Beispiele.
00:24:33: Kannst du haben?
00:24:34: Kannst du haben: „Scheanglade Spitalerin“, „Großaugerte Resl“, „Tuttelberta“, „Blasse Emma“, „Stinkerte Bettl“, „Totengräber-Marie“, „Prater-Resl“, „Dampfschiff-Nina“, „Beichtstuhl-Kathl“ oder „Husaren-Fanny“.
00:24:48: Gnade!
00:24:50: Und jetzt kommt es noch eine Spur deftiger... Da wirst du stark sein müssen Silvia.
00:24:54: Ich fürchte mich schon.
00:24:57: Es existierten damals eigene Spittelberg-Lieder die es wirklich in sich hatten.
00:25:01: Willst du eines hören?
00:25:02: Kann ich dich abholten davon?
00:25:04: Eigentlich nicht.
00:25:06: Steck man eine, steck man Eine!
00:25:08: Steck mal nicht daneben.
00:25:09: Ich bin ein arms Madl und muss davon leben. Und das ist noch eines von den harmlosesten.
00:25:17: Ich muss mich ablenken, was mich tatsächlich aber immer schon interessiert hat woher kommt die Redewendung auf den Strich gehen?
00:25:24: Prostituierte durften in bestimmten Bereichen am Graben auf Kunden warten, mussten dabei aber innerhalb einer festgelegten Grenze bleiben die beispielsweise mit Kreide markiert beziehungsweise durch eine Bordsteinkante vorgegeben war.
00:25:38: Weil sie aber so nah wie möglich an die vorbeiflanierenden Herren herantreten wollten gingen sie eben auf dem Strich
00:25:44: und die Zuhälter
00:25:46: Typische Wiener Stritzi ist, manche wurden wegen ihrer Kopfbedeckung Kappelbuben genannt.
00:25:51: Auffällige Frisuren, Kravatten und Kleidungen machten sie erkennbar.
00:25:55: Das Wiener Rotlicht-Milieu hatte also schon damals einen Dresscode.
00:25:59: Offenbar!
00:26:00: Allerdings gab es erhebliche Unterschiede zwischen armen Straßenprostituierten und elegantem Kurtisanen die später als Kokotten bezeichnet wurden nicht nur hinsichtlich ihres Outfits sondern vor allem ihres Lohns.
00:26:13: Die feineren Dirnen bewegen sich teilweise in den höchsten gesellschaftlichen Kreisen.
00:26:18: Also am Spittelberg die schnelle Nummer und im Pallais die diskrete Langzeitbetreuung,
00:26:23: so könnte man es ausdrücken!
00:26:25: Dann kam 1809 Napoleon, und mit ihm wurden die französische Mode, der französe Lebensstil und die fransösischen Sitten in Wien modern.
00:26:35: Mit einem Wort?
00:26:37: Alle wurden lockerer – vor allem Franz I., der zu jener Zeit das Land regierte.
00:26:42: Von September bis Juni, schmiss er die größte politische Party Europas in der mehr Körperflüssigkeiten ausgetauscht als Tinte zum Unterzeichnen von Verträgen verbraucht wurde.
00:26:55: Aha!
00:26:56: Daher stammt die Redewendung der Wiener Kongress tanzt – weil man sich mehr vergnügte als arbeitete?
00:27:02: Aber Diplomatie ist halt auch anstrengend und wenn man bei der Work Life Balance im Österreich Urlaub mal ein Auge zudrückt….
00:27:08: Delegationen aus ganz Europa waren nach Wien gekommen, um nach den napoleonischen Kriegen die politische Ordnung des Kontinents neu zu gestalten.
00:27:16: Die Verhandlungen dauerten Monate – gleichzeitig veranstaltete man Bälle, Diners, Empfänge der Theateraufführungen und zahllose andere Vergnügungen
00:27:26: Und Wien organisierte das entsprechende Begleitprogramm.
00:27:29: Der Kaiser ließ Prostituierte aus sämtlichen Ländern der Habsburger Monarchie anreisen, um sie seine Gästen zur Verfügung zu stellen
00:27:37: also ein Escort-Service auf Kosten der Krone.
00:27:40: Bei Schätzungen wird die Anzahl der Prostituierten in jenen zehn Monaten, in den Jahren 1814 und 1815 mit 20.000 beziffert.
00:27:49: Bei damals ungefähr 250.000 bis 300.000 Einwohnern gab es in Wien zu jener Zeit mehr Dirnen als Kongressteilnehmer.
00:27:57: Besonders rund um dem Ballhausplatz und die Unterkünfte der ausländischen Gäste suchten Frauen nach Kundschaft.
00:28:03: Unter dem Prostituierten befanden sich allerdings auch gelangweilte Ehefrauen, die unter den distinguierten Herren aus dem Ausland nach etwas Abwechslung suchten und sich mit den Jobs das Haushaltsgeld aufbesserten.
00:28:15: Tagsüber wurden Grenzen neu gezogen, nachts die des guten Geschmacks überschritten.
00:28:20: Weißt du wer in jener Zeit auch gutes Geld verdiente?
00:28:24: Lass mich raten!
00:28:25: Ärzte
00:28:26: Genau, der enorme Zustrom an Besuchern und das florierende Sexgewerbe machten entsprechende Behandlungen zu einem guten Geschäft.
00:28:33: Zu selben Zeit ließ Kaiser Franz da erste die einschlägigen Lokale am Spittelberg alle schließen!
00:28:40: Wien räumt das Rotlichtviertel und veranstaltet gleichzeitig Europas größte Sexsause.
00:28:45: Da haben wir sie wieder – die Doppelmoral.
00:28:47: unter dem Doppelladler
00:28:49: Ausgerichtet hat er mit der Aktion auch nicht viel.
00:28:52: Die Prostitution verlagert sich daraufhin in die Gasthäuser der Stadt, die ihren Gästen nach der Gulaschsuppe auch ein warmes Bett im Hinterzimmer anboten.
00:29:00: Angebahnt wurden die Geschäfte in verschiedenen Kaffeehäusern, in denen die Damen auf Freiersuche gingen.
00:29:06: So verbieten kann man es verhindern offenbar nicht!
00:29:09: Das wiederum stimmt.
00:29:10: Wir sind gerade erst im Jahr 1815 und müssten jetzt zum Ende dieser Folge kommen.
00:29:16: Dabei legt das neunzehnte Jahrhundert noch ordentlich nach.
00:29:19: Und das bedeutet, es wird einen zweiten Teil geben in dem wir über prominente Sünder, promiskuitive Adelige, einschlägige Literatur und vieles mehr berichten – und wer bis dahin mehr erfahren will, der kann in meinem Buch „Sündiges Wien“ schmökern.
00:29:33: Damit verabschieden wir uns nun aus der Kurstadt Baden, aus der wir heute über die lasterhafte Seite Wiens berichtet haben.
00:29:40: Und wenn euch auch diese Folge gefallen hat, teilt das Wissen, macht gerne ein bisschen Werbung für uns, abonniert unseren Podcast und schenkt uns einen Like!
00:30:00: Das war unsere heutige Folge.
00:30:02: Eine Erinnerung aus der Vergangenheit, verbunden mit dem Heute in Baden bei Wien.
00:30:07: Danke fürs Zuhören und fürs Mitgehen auf diese kleine Zeitreise!
00:30:11: Wenn euch die Folge gefallen hat, teilt sie, empfehlt unseren Podcast gerne weiter und hört doch beim nächsten Mal wieder rein – wenn bei unserer nächsten Geschichte Vergangenheit auf Gegenwart trifft.
00:30:21: Wir sind Silvia Eitler...
00:30:23: ...und Gabriele Hassmann
00:30:24: Und wir freuen uns, wenn ihr Baden auch künftig neu mit uns entdeckt.
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