#3 Geschützte Gebäude
Shownotes
Badener Zeitspur auf Instagram: https://www.instagram.com/badener.zeitspur/
Gabriele Hasmann – Autorin Website: https://www.gabrielehasmann.at/ Facebook: https://www.facebook.com/autoringabrielehasmann/?_rdr Instagram: https://www.instagram.com/gabriele.hasmann/
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Musik: artlist - https://artlist.io/royalty-free-music/artist/shtriker-big-band/663 Shtriker Big Band – Lemonade – artlist.io
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00:00:00: Schön, dass ihr erneut unsere Zeitspur folgt.
00:00:02: Silvia unserer heutige Folge ist für all jene die ebenso wie wir der Meinung sind das Geschichte nicht nur in Büchern und Museen stattfindet sondern direkt vor unserer Haustür.
00:00:13: Wir sprechen aber nicht nur über die Tür, sondern über das ganze Haus.
00:00:17: Im Baden haben wir nämlich jede Menge sehr schöne alte Bauwerke, die seit Jahrhundertem der Stadtbild bringen – Gäste begeistern und unsere Identität ausmachen!
00:00:27: Die Architektur ist bei uns kein dekoratives Beiwerk.
00:00:30: sie ist die DNA der Stadt auf die wir wirklich stolz sein können.
00:00:34: Manche dieser Bauten sind herausgeputzt wie noble Kurgäste beim Kurkonzert, manche seit Jahren in Duldungsstarre verharrend und einige mit heftigen Gebrauchsspuren aber dennoch voller Scharm.
00:00:46: Man könnte sagen unsere alten Häuser sind steingewordene Erinnerungen, Archive mit Fassade, Fensterläden und Dach.
00:00:54: In ihren Mauern hat sich das Lachen der ehemaligen Sommerfrischler verfangen, halt noch das klirren filigraner Silberlöffel im Porzellantassen und rascheln bis heute die seidenen Kleider der feinen Damen.
00:01:06: Echos all jener Menschen, die dieser Stadt mit Leben, Geschichten und Glanz füllten!
00:01:11: Baden wurde Kurort, Bühne, Treffpunkt der Welt – Kaiser, Künstler, Kurgäste, Liebende und Architekten mit Visionen bevölkerten die Stadt. Vor allem in jener Zeit, als uns Kaiser Franz II.
00:01:22: I., mit seiner Anwesenheit beehrte und Baden gewissermaßen zum sommerlichen Nebensitz der Monarchie adelte.
00:01:30: Dieser Habsburger hat in Baden allerdings nur die zweite Geige gespielt – und das ausnahmsweise nicht bloß im übertragenen Sinn!
00:01:38: Stattgefunden hat es Downgrade in jedem wunderschönen Haus am Hauptplatz II, in dem sich heute die Haupttrafik befindet
00:01:45: Indem er unbedingt im Streichquartett des Apothekers und Bürgermeisters Johann Nepomuk Trost mitspielen wollte.
00:01:52: Und das konnte man ihm schlecht verwehren!
00:01:54: Wenn ein Kaiser musizieren möchte, sagt man schließlich nicht – Majestät.
00:01:58: vielleicht wäre Zuhören die bessere Wahl?
00:02:00: Doch zur Sicherheit überließ man ihm nur die zweite Geige.
00:02:04: Offenbar wollte man verhindern dass aus einem Hauskonzert einen dynastisches Klangdisaster wurde.
00:02:11: An der Stelle des Hauses in dem der Kaiser musizierte, stand zu Beginn des sechzehnten Jahrhunderts das erste Rathaus Badens.
00:02:18: Man hätte ja gern das größere Haus nebenan gehabt, doch dort wohnte der Bäcker Stefan Häkhl mit seinen Töchtern.
00:02:25: Der wurde so lange bedrängt bis es einen Wohnsitz schließlich aufgab und im Jahr 1549 an die Gemeinde verkaufte.
00:02:32: Im Jahr 1813 zog in das heutige Haus, an dessen Stelle das erste Rathaus der Stadt stand, Johann Nepomuk Trost ein.
00:02:39: Der zugleich die im Haus bestehende Landschaftsapotheke seiner Gattin übernahm – einen Apotheker und Bürgermeister in Personalunion.
00:02:47: Wenn die Politik Kopfschmerzen verursachte, lag das passende Mittel also gleich griffbereit!
00:02:52: Und der liebte es, Hauskonzerte zu veranstalten.
00:02:56: Unter anderem mit Kaiser Franz, der dort bewies, dass man auch als Monarch nicht automatisch den Ton angibt.
00:03:02: Genau!
00:03:03: Baden war schon zu der Zeit ein Magnet für schillernde Persönlichkeiten.
00:03:07: Kaiser kamen zur Kur, Industrielle bauten Villen und manche Damen erschienen gleich mit einer ganzen Wolke aus Parfums, kofferweise Federboas und einer Vielzahl an Verehrern
00:03:18: So wie zum Beispiel später Paula Minotti, besser bekannt als die Gigerlkönigin.
00:03:23: Wobei ein Gigerl in Wien kein Geflügel ist sondern eine besonders herausgeputzte Person.
00:03:28: Paula Minotti wusste jedenfalls früh was sie wollte.
00:03:31: mit gerade einmal sechzehn Jahren riss sie von zu Hause aus um berühmt zu werden
00:03:36: und das war zu einer Zeit als andere Mädchen in diesem alter Klavier übten Strickmuster anfertigten und darauf warteten dass das Leben endlich beginnt.
00:03:44: Sie sang, pfiff, tanzte und wurde zu einer gefeierten Chansonette mit internationalen Publikum und äußerst spendablen Bekannten.
00:04:08: finanziert angeblich durch das Vermögen eines adeligen Verehrers, den sie bei einem Gastspiel in Moskau kennengelernt hatte.
00:04:15: Der Herr bot ihr für eine gemeinsame Nacht sein gesamtes Vermögen an und kündigte an sich am nächsten Morgen das Leben zu nehmen.
00:04:30: Manche investieren in Aktien, andere in eine einzige sehr einträgliche Nacht.
00:04:34: Nach dem Ende ihrer Karriere lebte Paula Minotti zurückgezogen in ihre Badener Villa bis zu ihrem Tod im Jahr 1939.
00:04:42: und wer heute zum Giebel ihrer Villa hinauf sieht entdeckt ein Relief der Hausherrin mit üppigem Dekolteé und kokett auf die Wange gelegtem Zeigefinger.
00:04:51: Und da zeigt sich einmal mehr, wer in Baden mit offenen Augen durch die Straßen geht und dabei auch öfter mal nach oben schaut, entdeckt an historischen Gebäuden so manch interessantes Detail.
00:05:02: Aber leider wurde jetzt einigen unserer denkmalgeschützten Häuser über Nacht ein unsichtbares Verkaufsschild an die Fassade gehängt – als könnte man Geschichte und Erinnerungen in Quadratmeterpreisen messen!
00:05:13: Konkret geht es um das ehemalige Weikersdorfer Rathaus, die Villa Atems und den Zellerhof.
00:05:18: Und es geht um die große Frage ob man das kulturelle Gedächtnis seiner Stadt in Umzugskartons verpacken kann.
00:05:25: Beginnen wir mit einem Haus dass Geschichte nicht nur beherbergt sondern selbst Geschichte ist dem ehemalligen Weikersdorfer Rathaus.
00:05:33: Das Gebäude mit dem monumentalen Holztor im Jugendstil wurde in 1903/04 als Rathaus mit Glockendachturm und Säulenportal für die damals noch eigenständige Gemeinde Weikersdorf erbaut.
00:05:46: Bei der Zusammenlegung mit der Stadt Baden im Jahr 1912 verlor der repräsentative Bau allerdings seine Funktion.
00:05:53: Heute ist in dem Bau das Rollette-Museum untergebracht, benannt nach Anton Rollett einem Arzt, Sammler und Universalgelehrten.
00:06:00: Seine Sammlung ist ein Wunderkabinett aus Naturgeschichte, alten Schriften, Antiquitäten und Kuriositäten – alles historisch relevante Zeitzeugnisse die die Badener Stadtgeschichte dokumentieren!
00:06:11: Allein die Atmosphäre dort ist unbezahlbar.
00:06:14: Man betritt das Haus und taucht ein in einen Universum voller Unikate, Relikte und Kostbarkeiten von der Schädelsammlung des Anatoms Franz Josef Gall über einen Insektenkasten aus dem Jahr 1812 unter einzigen echten Lebendmaske Napoleons bis hin zu einer echten Mumie. Da atmet sogar der Staub Geschichte aus.
00:06:34: Jedes Exponat erzählt von Menschen, deren Spuren längst vergangen sind und deren Geschichten dennoch zwischen Holz, Glas und Papier leise weiter
00:06:43: existieren.".
00:06:44: Ich war ja erst kürzlich dort – man hat da sofort das Gefühl als würde jeden Moment ein bärtiger Gelehrter mit einem Präparat unter dem Arm um die Ecke biegen!
00:06:53: oder Ben Stiller als Larry Daley in der Filmreihe Nachts im Museum.
00:06:57: Und im selben Haus lagern im Stadtarchiv Urkunden, Pläne, Fotos und Dokumente gewissermaßen das Gedächtnis der Stadt – und dieses Gedächnis sitzt nicht zufällig in historischen Mauern.
00:07:08: Ähnlich ist es ja bei der Villa Atems!
00:07:10: Ein charmanter schlossartiger Bau aus der frühen Biedermeierzeit, die einem Kern aus dem Jahr 1838 stammt und im Giebelfeld mit dem Wappen der Familie versehen ist.
00:07:20: In dem auch sehr viel Geschichte steckt….
00:07:22: Besonders schön finde ich die Anekdote von dem Koch der für Erzherzog Karl tätig war.
00:07:27: Ich erzähle Sie gerne!
00:07:29: Früher wurde das noble Palais auch Karbonadelburg genannt, die sich angeblich der Leibkoch von Erzherzog Karl von Österreich-Teschen erbauen ließ.
00:07:37: Der Küchenchef, der mit dem Habsburger jeden Sommer in Badener Weilburg verbrachte finanzierte die Errichtung laut eines Zeitungsberichts der Abschnitzel von den Karbonadelbraten.
00:07:50: Und das sehen wir alle wissen oder auch nicht, Rippenstücke von Schwein, Kalb und Hammel!
00:07:57: Im Jahr 1890 kaufte Maximilian Graf von Attems-Gilleis die Villa und ließ einen parkähnlichen Garten mit einem Palmen- und Lorbeerhein, Springbrunnen und Sommerturnplatz gestalten.
00:08:08: Dort fahren im September, die Badener Kaiser Jubiläumsaustellung statt mit Exponaten des Garten und Weinbaus, Maschinen und Motoren, Ständen mit verschiedenen Obst- und Gemüsesorten sowie musikalischen Darbietungen.
00:08:22: Und in diesem Gebäude befindet sich heute das Puppenmuseum, in dem den Besuchern Einblick in die Welt des Kindes von einst gegeben wird – als die Puppe noch stolz mit einem Wagen durch die Stadt kutschiert wurden.
00:08:36: Heute sind diese Puppen weit mehr als Kinderspielzeug.
00:08:39: Sie erzählen von Mode, Gesellschaft, Erziehung und Idealbildern ihrer Zeit – und sie tun das am glaubwürdigsten in einem Haus mit Geschichte.
00:08:47: Zwischen den stuckeverzierten Räumen und knarrrenden Dielen wirken sie wie Bewohnerinnen, die eigentlich nie ausgezogen sind.
00:08:54: Aber es gibt ja noch ein Gebäude, das bald auf dem Immobilien-Flowmarkt angeboten werden soll.
00:09:00: Genau!
00:09:01: Nämlich der Zellerhof.
00:09:02: Ein weiteres Stück Badener Identität benannt nach dem Musiker Karl Zeller, der erfolgreiche Operetten wie der Vogelhändler oder Obersteiger komponierte.
00:09:12: Er verstarb in dem Haus – wie fünfzehn Jahre später auch der Cellovirtuose David Popper und ein Jahrhundert später Viktor Wallner.
00:09:20: Heute befinden sich in den Räumen die Badener Stadtbücherei, die 1940 mit 3000 Büchern und 22332 Entlehnungen eröffnet wurde.
00:09:31: Und auch das Badener Standesamt!
00:09:33: Und jetzt sollen Museen, Archivbibliothek und Standesamt in einem modernen Neubau auf dem Areal in der Grabengasse untergebracht werden.
00:09:42: Nachdem die Feuerwehr auf den stillgelegten Eislaufplatz umgesiedelt ist.
00:09:45: Aber erst nachdem das Bundesdenkmalamt bestimmt hat was dort überhaupt weggerissen, um oder neu gebaut werden darf... ...ist ja schließlich ebenfalls historisches Areal!
00:09:55: Franz
00:09:55: II.,
00:09:55: der I., hat dort hinter dem heute sogenannten Kaiserhaus große Stallungen- und Wagenremisen errichten lassen.
00:10:03: Ich finde allerdings, gerade für die Aufbewahrung und zur Schaustellung historischer Exponate ist ein Neubeau nur in Ausnahmefällen geeignet.
00:10:10: In verspiegelten Megacities mag ein Funktionaler Kubus mit automatischer Schiebetür funktionieren – aber nicht in einer kleinen Stadt mit einprägsamer klassizistischer Kulisse!
00:10:21: Sicher nicht!
00:10:22: Und gerade ein Museum, das die Entwicklung der Stadt seit der Römerzeit dokumentiert und die Erinnerung von zahlreichen Epochen speichert braucht nicht nur Vitrinen und Regale.
00:10:32: Es braucht Würde – und es braucht Atmosphäre.
00:10:35: Beides entfaltet sich am besten in einem Gebäude, dass selbst Teil der Geschichte ist.
00:10:40: Ja, historische Artefakte in einen Neubau sind ein bisschen wie Kaiserschmarrn aus dem Mikrowellenbeutel technisch vielleicht möglich aber für die Sinne eher unerfreulich.
00:10:49: Genau, Wer alte Objekte in eine sterile Zweckarchitektur übersiedelt, entreisst ihnen ein Teil ihrer Seele.
00:10:57: Hinzu kommt das unvermeidliche Abenteuer jeder Übersiedlung.
00:11:00: Empfindliche Exponate jahrhundertealte Archivalien und historische Einrichtungsgegenstände treten eine Reise ins Ungewisse an mit guten Chancen beschädigt zu werden, spurlos verschwinden oder unter dem beruhigenden Etikett 'aus Platzgründen vorübergehend eingelagert' für lange Zeit in irgendwelchen Depots zu verschwinden.
00:11:19: Eine weitere Frage drängt sich förmlich auf.
00:11:21: Wer soll diese historischen Immobilien kaufen und damit Geld in die leere Gemeindekasse spülen?
00:11:27: Denkmalgeschützte Gebäude lassen sich weder beliebig umbauen noch wirtschaftlich nach Belieben verwerten.
00:11:33: Jugendstiltapeten, historische Raumstrukturen und strenge Auflagen des Bundesdenkmalamtes machen sie zu kulturellen Kostbarkeiten aber nicht zu klassischen Renditeobjekten.
00:11:44: Und wenn sich keine seriösen Käufer finden...
00:11:46: auch wenn es davon angeblich genug gibt, was die Gemeinde halt so unterseriös versteht
00:11:51: ... stehen schon die windigen Investoren bereit.
00:11:53: die versprechen alles zu revitalisieren.
00:11:55: und dann folgt der jahrelange Leerstand wie man ihn in Baden leider bereits mehrfach beobachten konnte weil das schnelle Geld wichtiger ist als nachhaltige Planung.
00:12:04: Und unsere historischen Gebäude werden ihrer Würde beraubt und verwandeln sich in steinerne Spekulationsruinen verschachert, verlassen, vergessen.
00:12:13: Und irgendwann zerfällt ihre Geschichte zu Bauschutt und die ganze Stadt schaut dabei
00:12:18: zu.
00:12:19: Zuerst der Absturz dann der Abriss.
00:12:21: ein gängiges Geschäftsmodell das so unerquicklich wie effizient ist
00:12:25: Man lässt ein denkmalgeschütztes Gebäude einfach lange genug leer stehen bis der Regen, Frost und Vernachlässigung ganze Arbeit geleistet haben und dass ehemalige kulturelle Juwel zur angeblich unvermeidbaren Abbruchmasse wird.
00:12:39: Unter seinem Stück Geschichte wird mit bemerkenswerter Effizienz ein Premium-Bauplatz, ganz legal versteht sich und natürlich ausschließlich im Interesse der Stadtentwicklung.
00:12:50: Aber die Badener sind Kummer ohnedies gewöhnt!
00:12:53: Es gibt ja einige Beispiele für große Ankündigungen wichtiger Leute, die mit langjährigem Stillstand enden.
00:12:59: Bei einem dieser Koma-Häuser, die sich im Besitz von Investoren befinden und nicht am Alter sondern an chronischer Versprechungsinsuffizient leiden handelt es sich um die nicht ganz so prestigeträchtigen aber äußerst charmante Wasserburger-Villa.
00:13:13: Übrigens eines meiner Lieblingsgebäude in Baden!
00:13:17: Erbaut zu jener Zeit, gelegen an der eleganten Weilburg-Promenade mit der Adresse Dörfl
00:13:22: Nr. 68
00:13:24: im Jahr 1842 von K&K Baurat Paul Wasserburger – der 1881 den verheerenden Ringtheaterbrand in Wien überlebte.
00:13:34: Der repräsentative Sommersitz entstand im Zusammenarbeit mit August Sicard von Sicardsburg und Eduard von der Nüll, den Architekten der Wiener Oper.
00:13:43: Nach dem Abzug der Russen erwarb die Bundesinnung der Bäcker die Villa und ließ sie umbauen, eher ein Internat der Landesberufsschule für Bäcker- und Konditoren einzog.
00:13:53: Im Anschluss war in dem Haus die Pension Weilburg samt Restaurant in den Räumlichkeiten untergebracht – dann stand es einige Jahre leer.
00:14:00: Die Fassade laut Bundesdenkmalamt übrigens nicht schützenswert stammt vom Franz Kaulfersch, ehemaliger Direktor der Malerschule in Leesdorf.
00:14:10: Der in den neunzehnfünfziger Jahren im Baden ein paar Werke Kunst am Bau hinterlassen hat.
00:14:15: Nach dem Kauf durch einen Anleger sind Jahre später geblieben: offene Fensterhöhlen, bröckelnde Fassaden und das Gefühl dass hier nicht gebaut sondern vergessen wird.
00:14:24: Hier verwildert ein Stück Stadtgeschichte.
00:14:26: es ist als hätte man dem Grundstück eine Zukunft versprochen und am Ende nur einem Gebäude den langsamen Verfall geschenkt.
00:14:34: Da man mit dem herausreißen der Fenster vor der Behörde den Unteranführungszeichen "guten Willen das Gebäude zu entfernen" demonstriert hat, kann man nun entspannt abwarten bis Wind, Wetter und Schwerkraft den Rest erledigen.
00:14:49: Ist es nicht dasselbe Investor, der ursprünglich auch den Sauerhof gekauft und Großes damit vor hatte?
00:14:54: Ja!
00:14:54: Und den hat er jetzt an einen Tiroler Investor verkauft – und der wartet offenbar, bis das Unkraut das Anwesen verschluckt oder selbiges von alleine zusammenkracht.
00:15:03: Dabei ist die Baubewilligung laut Bezirkshoppmannschaft noch aufrecht.
00:15:06: Er könnte also, wenn er wollte.
00:15:09: Dabei war der Sauerhof einst eines der traditionsreichsten Kurhotels der Stadt.
00:15:14: Bereits im zwölften Jahrhundert wurde erstmals urkundlich als befestigter Turmhof mit Wildbad- und Weingarten erwähnt.
00:15:21: Sein heutiges klassizistisches Erscheinungsbild erhielt der Sauerhof in den Jahren 1820 bis 1822, als der bedeutende Architekt Josef Kornhäusl das Gebäude im Auftrag von Karl Freiherrn von Doblhoff-Dier zu einem eleganten Hotel mit Bad-, Restaurant-, Kapelle- und englischem Landschaftsgarten umgestaltete.
00:15:41: Kurgäste flanierten durch den Park, man speiste elegant.
00:15:45: Man kam um zu genesen oder zumindest stilvoll über seine Beschwerden zu klagen.
00:15:50: Heute ist es ein Monument des Wartens Ein Dornröschen-Schloss nur ohne Prinz Dafür mit deutlich mehr Gutachten Gesellschafterwechseln und offenen Fragen.
00:16:00: Aber auch der Schlosshotel Weikersdorf zählt zu den prägenden Häusern der Stadt.
00:16:04: Ursprünglich eine Wasserburg, deren Wurzeln bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen.
00:16:08: Nach den Türkenbelagerungen von 1529 und 1683 wurde die Anlage mehrfach zerstört und wieder aufgebaut.
00:16:16: Ab 1579 erfolgte der Umbau zu einem repräsentativen Renaissance-Schloss mit charakteristischem Arkadenhof.
00:16:24: Von 1741 bis 1966 befand sich Schloss Weikersdorf im Besitz der Familie Doblhoff.
00:16:31: Ein historisches Ensemble mit internationalem Ruf, hier logierten Gäste aus aller Welt – doch auch dieses traditionsreiche Haus war immer wieder von Unsicherheit, Eigentümerwechseln und Leerständen betroffen.
00:16:43: Als der finanzielle Kollaps drohte wollte man mit dem Bau eines neuen Bettentrackts vor einigen Jahren das Ruder noch einmal herumreißen!
00:16:52: Hat leider nicht geklappt.
00:16:53: Zuletzt hat das Haus einer ukrainischer Oligarche gekauft, der dann starb und dessen Sohn den Besitz an eine Betreibergesellschaft übergab – die anschließend Pleite ging.
00:17:03: 2025 kündigte der ehemalige Geschäftsführer an weitermachen zu wollen
00:17:07: Passiert ist jedoch nichts!
00:17:10: Manche Leute scheinen zu glauben, dass Gebäude durch Abwarten besser werden wie Guter Wein
00:17:15: oder Gulasch
00:17:16: Und damit stellt sich einmal mehr die Frage, was eine Stadt eigentlich ausmacht.
00:17:19: Eine Ansammlung von Grundstücken als verwertbare Quadratmeter oder Orte, die Geschichte, Identität und Erinnerung bewahren?
00:17:26: Städte leben von Kontinuität – wenn historische Gebäude verschwinden oder ihre Funktion verlieren wird die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart schwächer.
00:17:35: Baden ist ein Gesamtkunstwerk.
00:17:37: Schwefelquellen, Rosen, Jugendstil, Wein, Caféhäuser und Geschichten verdankt seinen Ruf aber auch seiner unverwechselbaren historischen Kulisse.
00:17:45: Wird diese Scheibchenweise auf dem Immobilienflohmarkt verscherbelt, opfert man weit mehr als ein paar alte Häuser.
00:17:52: Man löscht damit sukzessive das kulturelle Gedächtnis.
00:17:55: Die Kunst besteht nämlich darin Zukunft zu schaffen ohne Vergangenheit auszulöschen.
00:18:00: Wir sprechen über dieses Thema heute nicht, weil wir gegen Entwicklung sind, im Gegenteil.
00:18:04: Städte müssen sich verändern!
00:18:06: Aber Veränderung soll aus Respekt entstehen – nicht aus kurzfristiger Verwertungslogik.
00:18:11: Ein historisches Gebäude ist keine lästige Altlast.
00:18:14: Es ist ein Kapital kulturell, emotional und langfristig oft wertvoller als jede kurzfristige Rendite-Fantasie.
00:18:22: Geschichte ist kein Luxus.
00:18:24: Sie ist das Fundament
00:18:25: Und Fundamente verkauft man nicht leichtfertig.
00:18:28: Vielen Dank, dass ihr uns auch heute wieder auf dieser Zeitspur begleitet habt und folgt uns doch gerne bitte auf Instagram.
00:18:35: Dort gibt es regelmäßig interessante Beiträge, historische Bilder oder themenbezogene Videos – den Link dazu findet ihr in den Shownotes!
00:18:43: Und wenn euch diese Folge gefallen hat, erzählt anderen davon.
00:18:46: Vergesst nicht, Baden immer wieder neu zu entdecken und Euch an den kleinen Details zu erfreuen.
00:18:52: Denn hinter jeder Fassade steckt eine Geschichte und ganz viele davon, allerdings nicht nur von den Schönen und Reichen sondern auch vom unbekannten Badenern die mindestens genauso interessante Dinge erlebt und geleistet haben hörte in den nächsten Folgen.
00:19:22: Danke fürs Zuhören und fürs Mitgehen auf diese kleine Zeitreise.
00:19:26: Wenn euch die Folge gefallen hat, teilt sie, empfehlt unseren Podcast gerne weiter und hört doch beim nächsten Mal wieder rein – wenn bei unserer nächsten Geschichte Vergangenheit auf Gegenwart trifft!
00:19:36: Wir sind Silvia Eitler
00:19:38: und Gabriele Hassmann
00:19:39: Und wir freuen uns, wenn ihr Baden auch künftig neu mit uns entdeckt.
Silvia Eitler
‧Uschi
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